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D Alphabetisches Glossar

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D

Dad-Dugpa (tib) B.

Siehe Dugpa. Cf: Schlagintweit, B.T. , S. 47.

Dāna (sk) B.

Die Handlung des Gebens oder des Opferns in jeder Form. Die erste der Perfektionen oder der transzendentalen Tugenden (Pāramitās) des Bodhisattva. Einschließlich Güte (Maitri) und Mitleid (Karuṇā) ist Dāna ein wesentlicher Faktor, den Menschen Erleuchtung zu bringen.

Darśana (sk) H.

Vision, Wahrnehmung, Standpunkt, das Schauen (des Idols) einer Gottheit; Schule: besonders in jeder der sechs Lehrschulen der Hindu-Philosophie (Nyāya, Vaiśeṣika, Sāṁkhya, Yoga, Pūrva Mimāṁsa und Utara Mimāṁsa oder Vedānta).

Deva (sk) B., H.

Strahlend, himmlisch, göttlich. Als Substantiv: eine Gottheit, was auf sämtliche Götter und Wesen der unsichtbaren Welten zutrifft, deren Dasein auf die Dauer des Universums (vgl.: Brahmā) begrenzt ist, was sie geringer als ein vollkommener Buddha erscheinen lassen. Sie werden den Mächten der Unterwelt und Vernichtung gegenübergestellt (siehe auch: Asura). H.P.B. gebraucht das Wort im Sinn von “göttlich” (sk.: Divya und Pāli: Dibba), z.B. “Deva-Sicht” (sk.: Divya-Chakṣu).

Devachan (bDe-ba-chan) (tib) B.

Vom Stamm: de: Glück und Freude. Ein Wort, das dem Sukhāvati (T.G.) im Sanskrit gleicht und das (exoterisch) westliche Paradies des Buddha Amitābha andeutet. In der Theosophie: die glückselige Sphäre der subjektiven Erfahrungen nach dem Tod, wo das Höhere Ego die geistigen Früchte seiner letzten Inkarnation assimiliert, bevor eine neue irdische Geburt beginnt. (Dieser tibetische Ausdruck ist manchmal fälschlicherweise mit Deva im Sanskrit verbunden worden).

Deva – Gehör – B.

Sk.: Divyaśrota, die Fähigkeit der Hellhörigkeit, das zweite Abhijñā. Siehe; Siddhi.

Deva – Sicht – B.

Sk.: Divyachakṣu, die Fähigkeit des Hellsehens, eine der sechs Fähigkeiten (Abhijñā), die durch die intensive Anwendung von Dhyāna erreicht werden kann. Diese Fähigkeit oder Kraft (die vierte auf der Liste) macht es unter anderem möglich, das Schicksal von Wesen in ihrem karmischen Verlauf zu sehen. Siehe: Siddhi.

Dhāranā (sk) H.

Den Verstand fest auf ein gewähltes Thema richten (vgl.: die Yoga Aphorismen von Patañjali), wobei Dhāranā (der sechste Grad von Yoga) zusammen mit Dhyāna und Samādhi, zu Saṁyama führt, dem Zustand perfekter Meditation. In der Stimme der Stille wird Dhāranā mit der völligen Außerachtlassung der Sinneseinflüsse und dem zum Schweigen gebrachten Spiel des Gedächtnisses verglichen. Auf diese Weise wird es möglich, die wahrnehmenden Kräfte des Bewußtseins auf ein einziges geistiges Thema zu konzentrieren.

Dharma (sk) B., H.

Ein Wort mit vielen Bedeutungen, besonders im Buddhismus. Der Stamm ist dhṛ, instand halten, bewahren, unterstützen. Dharma bedeutet die Vorschrift oder das Gesetz, welches das Universum instand hält. Für den Menschen bedeutet Dharma die universale Basis für Ethik und die Disziplin des Verhaltens, denen er folgen muss, um sich seines göttlichen Schicksals zu versichern. Im Hinduismus und in der Theosophie wird Dharma manchmal mit Pflicht übersetzt, womit die innere Pflicht gemeint ist, die man im Leben gemäß seiner eigenen Natur zu erfüllen hat. Es wird z.B. gesagt, daßdas (natürliche) “Dharma” des Feuers brennen ist. Im Buddhismus gilt Dharma als das “Gesetz” oder die Lehre des Buddha, sowohl in der exoterischen als auch in der esoterischen Form.

Dharmakāya (sk) B.

Der erhabenste, strahlende Körper (Kāya), das Kleid der höchsten Glückseligkeit, das jeder Initiierte im Lauf seiner Weiterentwicklung “webt”, die ihn bis zum Ende des Vierten Pfades (des perfekten Arhats) oder (esoterisch) bis zum Eintritt in die Sechste Pforte geführt hat, gerade vor seinem Eintritt in das Siebte (T.G.). Das erreichte Bewußtseinsniveau berührt genau die Schwelle von Nirvāṇa.

Dhyāna (sk) B., H.

Im System von Patañjali folgt Dhyāna, die aufmerksame Konzentration auf ein gewähltes Meditationsthema, Dhārana. Im Buddhismus ist die Dhyāna Pāramitā die fünfte der Perfektionen, die der Bodhisattva-Anwärter zur Entfaltung bringt. In Die Stimme der Stille ist Dhyāna auch der Schlüssel zur Sechsten Pforte, das vollkommener Weisheit vorangeht. In diesem Zustand tiefer, geistiger Kontemplation behält der Aspirant wohl noch ein Individualitätsgefühl, das er im vollkommenen Einssein von Samādhi nicht länger mehr hat. Bei gewöhnlicherem Wortgebrauch verweist das Wort Dhyāna (Pāli: Jhāna) nach der Meditationsübung, die aus vier Stufen (siehe: Vierfaches Dhyāna) besteht, und zwar vom Anfang der Vorbereitung zur Konzentration bis zu den Abstraktionszuständen des höheren Bewußtseins. Diese lange Disziplin wird von der Entfaltung psychischer und geistiger Kräfte (sk.: Abhijñā) begleitet, wie z.B. “Deva-Gehör” und “Deva-Sicht”.

Dhyāni(n) (sk) Th.

Ein “Wesen der Kontemplation”, ein Ausdruck mit vielen Bedeutungen. Einerseits bezieht er sich auf höchst erhabene Hierarchien (mit dem Logos verbunden), und andererseits auf Hierarchien, die mit der Kosmogonie und dem Leben der Formenwelt zusammenhängen, die jedoch stets in einer bestimmten Beziehung zu den sieben Prinzipien des Menschen im Mikrokosmos stehen. Die Geheimlehre erwähnt die höchsten Dhyānis, die in der “auserkorenen Rasse” beim Anfang der Menschheit inkarniert sind und auch zusammen den “Nährboden” der zukünftigen Adepten formen. Sie repräsentieren die göttlich Erwachten der Menschheit. Siehe auch: Planetengeister.

Dhyāni – Bodhisattva (sk) B.

Im exoterischen Buddhismus sind es die fünf Söhne der Dhyāni-Buddhas (vgl.: S.D. I, 109, 57 und II, 116). Esoterisch sind es die “geistigen Reflektionen” oder Projektionen der sieben Dhyāni-Buddhas in der (mentalen) Formenwelt. (Rūpa-Loka) (siehe auch: Drei Welten).

Dhyāni-Buddha (sk) B.

“Buddha der Kontemplation”. Kollektiv offenbaren die sieben Hierarchien der Dhyāni-Buddhas das göttliche Licht des Ādi-Buddha in seinen verschiedenen Aspekten und formen die verherrlichte Essenz der Menschenseelen. Obschon selbst elternlos (Anupa(pā)daka), sind sie die mystischen Väter der Dhyāni-Bodhisattvas (vgl.: S.D. I, 571, mit Avalokiteśvara als Synthese der sieben).

Diamant-Seele – B., Th.

Siehe: Vajrasattva.

Dorje [rDo-rje] (tib) B.

Sk.: Vajra. Herrscher (rje) der Steine (do): der Diamant.

Dragshed [Drag – gshed] (tib) B.

Eine Gruppe schrecklicher und furchterregender Götter, die die Menschen angeblich vor schlechten Geistern behüten.

Dreieck (heiliges), Drei (heilig)

Das Dreieck als erste geometrische Figur erinnert an die höchste Dreieinigkeit im Menschen, die das ewige und göttliche Individuum bildet (T.G.). Tzurah, das die Dreieinigkeit als den göttlichen “Prototyp” umschreibt (T.G.). Triad, “Die Drei in Einem”, die die sieben niederen Sephiroth der Kabbala dominieren, wobei jede mit einem der sieben Prinzipien im Menschen übereinstimmt. Die Drei verweist auch auf die drei großen Abschnitte der Einweihung oder Initiation (vgl.: T.G.). Die “drei Feuer” erwecken die höhere Dreieinigkeit von Atma, Buddhi, Manas, die in geschlossenem Verband eine Einheit bilden.

Drei große Perfektionen

Der Initiierte soll “dreimal groß” sein (wie Hermes Trismegistus). Hier verweist das Wort Perfektion nach dem Sanskrit Siddhi: transzendentale, spirituelle Kräfte, die aus einem Mann einen Siddha machen (ein “Yogi der Perfektion”). Die Tradition spricht von drei mystischen Kräften des Buddha (Gopa, Yaśodhāra und Utpala Varṇa), was von einigen als seine drei Frauen interpretiert wird. (Vgl.: Rhys Davids B., 51, 2).

Drei Methoden von Prajñā

Siehe: Prajñā, auch T.G.: Trijñāna.

Drei Welten (sk.: Triloka oder Trailokya)

Exoterisch: Himmel (sk.: Svarga), Erde (sk.: Bhūmi), Hölle (sk.: Pātāla), was nach den spirituellen, psychischen (oder astralen) und den irdischen Sphären verweist (siehe T.G.: Tribhuvana). Im klassischen Buddhismus werden drei Welten genannt (Pāli: Triloka): 1.) Kāmaloka oder Kāmadhātu, das Gebiet der Sinnenfreuden und vielerlei Begierden, (einschließlich der Welt der Menschen, Tiere, der Toten, der Asuras, niederen Devas und der vielen Höllensorten). Gemäß dem Mahāyāna arbeiten die menschlichen Buddhas auf diesen Ebenen in ihrem Nirmāṇakāya. 2.) Rūpaloka oder Rūpadhātu, die himmlische Sphäre, die immer noch mit Formen verbunden ist: eine rein mentale Ideenwelt, wo das höhere, menschliche Ego nach dem Tode den Zustand der Seligkeit im Devachan genießt. Esoterisch umfaßt dieses Gebiet sieben verschiedene Ebenen des Vertieftseins (Dhyāna) oder der Kontemplation. Zu diesen Ebenen gehören die Dhyāni-Bodhisattvas in ihrem Sambhogakāya. 3.) Arūpaloka oder Arūpadhātu, die “formlose” Welt (von unserem Standpunkt aus gesehen) (noch stets sieben Ebenen von Dhyāna umfassend). Die rein abstrakten Zustände des hochgeistigen Bewußtseins (Bodhi), die hier erreicht werden, reichen bis an die Schwelle von Nirvāṇa und sind von allen Sensationen oder Gefühlen im Verband mit der irdischen Persönlichkeit und dem dreidimensionalen Universum befreit; idealerweise entsprechen diese Ebenen den Dhyāni-Buddhas in ihren Dharmakāyas. (Siehe T.G.: Trailokya und Eitel, H.C.B., S. 180).

Dugpa [hBrug-pa] (tib) B.

Mehrere tibetische Worte können als Dugpa ausgesprochen werden, allerdings mit verschiedenen Bedeutungen – daher die mögliche Verwirrung – aber keine bezeichnen “Rotkappen”. 1.) Worte, die mit hBrug verbunden sind, bedeuten Donner und geflügelte Drachen: a) die hBrug-pa-Schule, die mit dem hBrug-Kloster verbunden ist, das von Lingrepa Padma Dorje gegründet sein soll, und zwar in Bhutan im 12. Jahrh., an einem stürmischen Tag. Die Dugpa-Schule ist eine anerkannte Abteilung des Karma-Kagyudpa und wurde in Ladakh und Bhutan entwickelt und darum ist b) hBrugpa der Name der Einheimischen von Bhutan, “das Land des Donners” oder hBrug-Yul. Sie stehen unter dem Einfluss der Dugpa-Tradition, die drei verschiedene Unterabteilungen hat (höhere, mittlere, niedere). Schlagintweit (B.T., S. 47) erwähnt diese als eine Sekte namens Dugpa oder Dad-Dugpa, “für die der Dordje (Dorje) ein sehr wichtiges und mächtiges Instrument ist”. H.P.B. hat diese Bedeutung erwähnt, als sie über die Dugpas als “Unruhestifter” und üble Zauberer sprach (siehe den Artikel: “Reincarnation in Tibet”, Theos. III, 146-8). Sie verband diese Dugpas mit der primitiven Sekte der Nyingmapa, die sich von den Karma-Kagyudpa (die auch rote Kappen tragen) unterscheidet. Wir können hieraus schließen, daß das Wort Dugpa, so wie man es in der Stimme gebraucht, nicht auf die heute bekannten Tantra-Schulen zutrifft (noch viel weniger auf die nicht reformierten Schulen), sondern auf eine ziemlich geheime Randgruppe, die sich der Reformation von Tsong-Kha-Pa aktiv widersetzte. Unter ihnen befanden sich echte Zauberer und schwarze Magier, die starke und boshafte Kräfte besaßen und die natürlich sehr eng mit den Anhängern des schwarzen Bön verbunden waren.