Home » B Alphabetisches Glossar

B Alphabetisches Glossar

Print Friendly, PDF & Email

B

Bhagavad-Gītā (sk) H.

Ein Hauptwerk des Hinduismus und eine der größten spirituellen Schriften der Menschheit. Sie beschreibt den Menschen (als Charakter eines heroischen Kriegers, Arjuna), der den großen Problemen gegenüber steht, die sein menschliches und göttliches Schicksal zu einem zyklischen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit bedingen. Sein Dialog mit Kṛṣṇa – an erster Stelle der Meister-Initiator – aber auch der innere Ursprung aller Weisheit – offenbart ihm den Weg der Königlichen Yoga, die sowohl Handlung und Kenntnis zu einem Ganzen zusammenfasst, als auch Entsagung und einen großzügigen Einsatz im Dienst der großen kosmischen Ordnung. Dieses Buch der Initiation und eines unerschöpflichen Reichtums ist bei jeder Suche nach spirituellem Leben nicht von der Stimme der Stille zu trennen.

Bhavachakra (sk) B.

Das “Rad des Werdens”, das oft in der tibetischen Ikonographie dargestellt wird. Zwischen seinen Speichen werden die verschiedenen Welten der Transmigration (Saṁsāra) dargestellt, und zwar unter der Macht des Dämons von Vergänglichkeit und Tod. In der Radnabe illustriert ein Kreis von drei Tieren (Schlange, Hahn, Schwein), die jedes in des anderen Schwanz beißen, die verhängnisvolle Reihenfolge: Begierde – ärger – Unwissenheit, während der Rand in zwölf Abschnitte verteilt ist, die die zwölf Nidanas oder Faktoren illustriert, die, ohne Unterbrechung, den Wechsel von Leben und Tod beschreiben. Die Stimme der Stille lädt nicht dazu ein, blind an das Rad gekettet zu sein, sondern die Verpflichtung auf sich zu nehmen und die früheren karmischen Ursachen abzuarbeiten und seine Pflichten während des Lebens zu erfüllen.

Bodgayā (sk.: Buddhagayā) B.

Einer der wichtigen, heiligen Orte des Buddhismus in der Nähe von Gayā in Bihar (Nord-Indien). Nachdem Gautama dort 49 Tage unter dem schützenden Blätterdach des berühmten Bodhi-Baumes meditiert hatte, erlangte er vollkommene Erleuchtung (Bodhi). Heute erhebt sich ein großes Heiligtum hinter dem Baum, der ein Ableger des ursprünglichen Baumes sein soll, und in Bodgayā gibt es einige buddhistische Tempel verschiedener Nationen.

Bodhi (sk) B.

Das Erwachen in der einen und universalen Wahrheit, der vollkommenen Weisheit oder göttlichen Kenntnis, die von einem Menschen ein Erleuchtetes Wesen machen (einen Buddha – ein Wort, das genau wie Bodhi und Buddhi vom Verb ‘budh’ abstammt, und erwacht oder bewußt sein bedeutet; daher gewahr werden, verstehen usw.). Dieser Wortgebrauch ist verschieden und hängt von den Schulen und Menschen ab, die ihn

gebrauchen; denn jeder Grad geistigen Fortschritts wird als ein “Erwachen” bezeichnet, eigen an die relativen Wahrheiten, die darin entdeckt werden.

Bodhi – Baum – B.

Ficus religiosa, der Bodhi- oder Bo-Baum, ist in Indien ein ganz gewöhnlicher Baum, der nur deshalb berühmt ist, weil Gautama Buddha gerade unter diesem Erleuchtung gefunden hat. Ein Ableger des ursprünglichen Baumes, der, wie es heißt, im Jahre 249 v. Chr. nach Anuradhapura auf Śri Lanka gebracht wurde, wird von vielen Pilgern hoch verehrt, und der jetzige Bodhi-Baum in Bodhgayā soll direkt von diesem Ableger abstammen. Siehe: Bodhi und Bodhgayā.

Bodhidharma (sk) B.

Frau Blavatsky unterscheidet zwei Bedeutungen: a) Bodhidharma oder Weisheit- (Bodhi) Religion (Dharma), die in China vorkommt; b) der berühmte Patriarch unter diesem Namen (460 (?) -534 n.Chr.) und Lehrling des Prajñādhāra, der im 6. Jahrh. die Schule Ch’an des Mahāyāna in China gründete.

Bodhisattva (sk) B.

Ein Wesen, dessen wesentliche Natur (Sattva) Erleuchtung oder Weisheit (Bodhi) ausmacht: ein “Erleuchtetes Wesen”. Im Hīnayāna Buddhismus ist es jemand, der dazu bestimmt ist, in der Zukunft als ein vollendeter Buddha zu inkarnieren. Jedoch im Mahāyāna Buddhismus wird der Bodhisattva seinen Anhängern als das Ideal eines altruistisch geführten Lebens vorgestellt: als ein barmherziges Wesen bemüht es sich, vollkommene Erleuchtung zu erreichen, um alle Wesen zu retten: er verzichtet auf Nirvāṇaim Gegensatz zum Arhat des Hīnayāna oder des Pratyekabuddha. Selbst am Ende seiner Mühen wird er, dank seines besonderen Körpers (Nirmāṇakāya), den er während seiner asketischen Übungen entwickelt hat, bei den Menschen bleiben. Für die Buddhisten erfordert der Weg eines Bodhisattvas, der zehn Stadien umfaßt, ein Gelübde und eine Disziplin besonderer Art, um besondere “Perfektionen” oder Pāramitās zu entwickeln. Manchmal wird diese Bezeichnung ohne Unterschied für jeden, der bewußt nach Erleuchtung sucht, angewandt, selbst dann, wenn es zu eigenem Vorteil gereicht. Siehe auch: Dhyāni-Bodhisattva.

Bon (Bön) (tib.) B.

Eine alte, religiöse Bewegung schamanistischer Art, die in Tibet vor dem Buddhismus verbreitet war. Gemäß H.P.B. ist sie scheinbar “ein degenerierter Rest der früheren chaldäischen Mysterien”, die jetzt nur zu “einer Religion geworden sind, die auf Geisterbeschwörung, Zauberei und Götzendienst beruht”. Die Anhänger der Bon-Religion – die Bon-Po – werden hauptsächlich in die Weißen (die ein ausgearbeitetes und von den Ideen des Buddhismus sehr beeinflußtes System haben) und die Schwarzen geteilt, von denen die meisten Zauberer und schwarze Magier sind. Während seiner Gründung in Tibet scheint der ursprüngliche Lamaismus einige typische Elemente der Bon-Religion aufgenommen zu haben.

Brahm

siehe Brahmā.

Brahma(n) (sk) H.

Ein Neutrum, das das Absolute andeutet, die erste und allerletzte Realität, “Seinheit”, jenseits aller Dualität. Brahman besteht jenseits jeglicher mentalen Vorstellung, wird durch nichts begrenzt, ist aber in allen Dingen anwesend. Die Vedānta betont die

fundamentale Einheit von Atman (die höchste Essenz des Selbst in jedem Wesen) nachdrücklich mit dieser transzendentalen Einheit.

Brahmā (sk) H.

Ein Begriff, der auf die erste Gottheit der Hindu-Dreieinheit weist, die als männlicher “Schöpfer”, oder eher als erweckende Kraft und Organisator in der manifestierten Welt tätig ist. Brahmā ist mit der Welt der Formen verbunden und “stirbt” daher mit ihr, wie alle anderen Götter auch. Er sollte nicht mit Brahma(n) verwechselt werden.

Brahmapura (sk) H.

(Auch: Brahmapuri). Die “Stadt des Brahman”, die sich abwechselnd im Himmel oder auf der Erde befindet (und dann ist es Benares oder Vārāṇasi). Die Muṇdaka Upaniṣad (II, 2, 7) behauptet, daß das Selbst innerhalb seines ätherischen Raumes verbleibt, in der göttlichen Stadt von Brahman” – die gewöhnlich ”in der Nähe des Herzens liegt”. Siehe den Artikel “Places of Pilgrimage in India” (Theos. VII, S. 1 et seq.). (Wallfahrtsorte in Indien).

Brahmin (sk) H.

(Auch Brāhmaṇa). Mitglied einer Priesterkaste, der höchsten der vier Hindukasten, die traditionsgemäß die Vedas studiert und die Rituale ausführt. Die Brahmanen haben schließlich das Verschwinden des Buddhismus verursacht. Siehe auch: Tirthika.

Buddha – B.

Der Begriff Buddha aus dem Sanskrit bedeutet “erwacht” oder “erleuchtet” und trifft auf die Erwachten verschiedener Hierarchien zu, wie z.B. auf die menschlichen (Mānuṣya) und die Göttlichen (Dhyāni-)Buddhas. Diese Bezeichnung wurde der berühmten, historischen Individualität als Titel verliehen, nachdem er Erleuchtung (Bodhi) erreicht hatte. Er war der Prinz von Kapilavastu und Sohn des Königs der Śākyas, und sein Name, Gautama, wurde ihm von seiner Familie bei seiner Geburt gegeben. Andere ihm verliehene Titel sind: Śākyamuni (der Weise der Śākyas), Siddhārta (der sein Ziel erreicht hat), auch der Tathāgata (der also gegangen ist, nämlich zum anderen Ufer, in den Spuren anderer), und der Jina (Eroberer). Der Buddha, Beispiel eines perfekten Wesens, ist der Archetypus der großen und heiligen Arhats und Adepten, die seinen Fußspuren folgen. Aber das Wort dient auch dazu, um höchste metaphysische Realitäten zu bezeichnen, das höchste spirituelle Wesen (Ādi-Buddha), oder Hierarchien spiritueller und göttlicher Wesen (Dhyāni-Buddhas).

Buddhi (sk) H., Th.

Im Hinduismus (Bhagavad-Gītā) ist Buddhi das aktive Element des Intellekts oder der Fähigkeit zu unterscheiden, die Kraft in Antaḥkaraṇa, die alle höheren, von Atma herrührenden Qualitäten des Menschen bündelt, – worunter die Intuition oder der spirituelle Verstand. In der Theosophie bezieht sich Buddhi im kosmischen Sinn (Mahā-Buddhi) auf die “Seele”, oder den höheren, mentalen Aspekt des Universums. Im Menschen ist Buddhi der Träger (Vehikel) von Atma, oder die spirituelle Seele, gewurzelt in der universalen Seele. Sie ist dazu bestimmt, von Manas aktiviert zu werden, die individualisierte, menschliche Intelligenz. Siehe auch: Kuṇḍalinī.